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Ersteindruck: The Elder Scrolls Online angespielt

Wir konnten während einer Presse-Beta das MMORPG The Elder Scrolls Online anspielen und verraten euch, was wir erlebt haben.

Wer mit ESO ein typisches MMORPG erwartet, der könnte leicht enttäuscht werden, denn bei Zenimax‘ Online-RPG handelt es sich viel mehr um ein The Elder Scrolls-Spiel – mit dem Unterschied, dass man nun online spielt und andere Spieler trifft. Wie untypisch ESO für ein MMO ist, zeigt sich direkt zu Beginn. Standardmäßig ist eine First Person-Ansicht eingestellt, welche die wunderschöne und detailreiche Grafik präsentiert. So wird man viel stärker in das Geschehen gezogen, als bei einer Third-Person Perspektive (die aber optional nutzbar ist). Die Egosicht funktioniert auch hervorragend und man möchte sie nicht mehr aus dem Spiel missen.

Storm_AtronachEine weitere Besonderheit, welche The Elder Scrolls Online von anderen Genre-Vertretern abhebt ist die Art, wie Quests ablaufen. Wer auf Missionen der Marke „Töte 7 Wildschweine und bringe mir ihre Felle“ steht, der muss umdenken. Derartige Aufgaben gibt es zwar auch, sie sind aber sehr selten. Vielmehr erzählen die meisten Quests in ESO eine Geschichte, verzweigen sich, bauen auf anderen Quests auf, führen zu neuen Missionen und lassen euch sogar wichtige Entscheidungen treffen.

Richtig gelesen: Es gibt Situationen, in denen ihr euch für eine von mehreren Optionen entscheiden müsst. Nicht nur sind die anderen Optionen damit aus dem Rennen, eure Entscheidung wirkt sich auch auf die Spielwelt aus. Verratet ihr einer jungen Frau, dass der Mann, den sie liebt ihre Liebe nicht erwidert? Wenn ihr ehrlich seid, begeht sie Selbstmord, wenn ihr sie belügt, lebt sie im Glaube an eine Lüge weiter. Diese Art, wie sich die Missionen aufbauen und wie ESO sie erzählt, erinnert stark an die Erzählstruktur von Single Player-RPGs. Da die meisten NPCs mit professioneller deutscher (oder wahlweise auch englischer) Sprachausgabe unterlegt sind, ist das Zuhören oder Lesen der Questexte wichtig. Eine Zusammenfassung dessen, was zu tun ist, gibt es am Ende des Gesprächs nicht. Dies könnte „Powergamer“ stören, die möglichst schnell das Maximallevel erreichen wollen, ohne Wert auf eine Story zu legen.

Auch der Umstand, dass sich Skills durch häufige Benutzung verbessern ist sicher für Spieler anderer MMORPGs gewöhnungsbedürftig. Natürlich erhält man auch Skillpunkte, steigt man im Level auf, mit denen man Spezialfähigkeiten kaufen oder verbessern darf. Das Kampfsystem spielt sich sehr aktiv und dadurch sehr actionreich. Jeder Klick mit der Maus ist ein Schlag mit der Waffe oder ein Abblocken mit dem Schild. Daneben stehen noch diverse Spezialattacken zur Verfügung, die man typisch für ein MMO mit zugewiesenen Tasten auslöst und die auch eine Abklingzeit besitzen. Auch aktiv Ausweichen ist wichtig, um wenig Schaden zu nehmen. Kämpfe erfordern auch Taktik, da man die Angriffe der Gegner analysieren und darauf reagieren muss.

War_at_Sejanus_Outpost_01Generell hat uns The Elder Scrolls Online positiv überrascht. Wären nicht andere Spieler durch die Gegend gerannt und hätten Monster nicht relativ schnell respawned, hätten wir den Eindruck gehabt, ein neuen Teil der Single-Player-RPG-Serie The Elder Scrolls zu spielen. Die Quest-Struktur, die Art, wie man alleine zurecht kommt, die vielen kleinen Elemente wie Truhen, Fässer, Säcke, die man man öffnen kann, die Egosicht, alles schreit einem regelrecht The Elder Scrolls ins Gesicht. Und genau das ist es, was MMO-Fans sauer aufstoßen könnte. Spielt man ESO allein, funktioniert es hervorragend. In der Gruppe jedoch bricht die Atmosphäre etwas in sich zusammen. Zu viele Elemente wie die Story, die Dialoge und das „Held sein“ sind einfach auf eine Single-Player-Erfahrung ausgerichtet. Die Frage, wie lange das Spiel nach Ende der Hauptstory noch motivieren kann, bleibt ebenfalls im Raum stehen. Denn The Elder Scrolls Online ist das Paradebeispiel für ein Themepark-MMORPG. Das Schicksal von Star Wars: The Old Republic hängt damit auch wie ein Damokles-Schwert über ESO.

Trotz des immensen Contents, den ESO bereits jetzt besitzt, mit unzähligen Sidequests und einer riesigen Welt voller Geheimnisse, werden viele Spieler diesen relativ schnell durch haben. Dann bleibt noch der PvP-Modus, den man fast als eigenständiges Spiel bezeichnen könnte. Wer sich daran nicht beteiligen will, muss auf Content-Nachschub warten, der sicherlich kommen wird. Doch bei einem MMORPG geht es nicht nur darum, ob neuer Content kommt, sondern auch, wie schnell dieser den Spielern zur Verfügung gestellt wird und da muss sich Zenimax einfach an Guild Wars 2 orientieren, sonst könnten die Spieler schnell abspringen. Dennoch bleibt nach der Pressebeta ein positiver Gesamteindruck des MMORPGs The Elder Scrolls Online zurück.

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